Als ich vor Ostern mit Musikern zusammensaß, ergab es sich im Gespräch, dass die meisten von ihnen in Kirchenchören, Gottesdienst-Orchestern, Blasmusiken, bei der Militärmusik und Ähnlichem sozialisiert worden waren. Heute gibt es diese Chöre und Orchester immer seltener; der gesellschaftliche Wandel lässt also den Nährboden für das Wachstum musikalischer Spitzenleistung schwinden. Gleichzeitig zwingt die aktuelle Wirtschaftskrise fast alle Staaten zu Einsparungen in allen Bereichen, so auch in der Kultur.
Es muss uns, die wir im Kulturbereich arbeiten, aber bewusst sein, dass die Einsparungen im Kulturbereich die jeweiligen Regierungen am wenigsten Wählerstimmen kosten – was wiederum auch mit dem gesellschaftlichen Wandel zu tun hat. Gleichzeitig führt die Wirtschaftskrise aber auch dazu, dass Unternehmer sich jedes Mäzenatentum und jedes Sponsoring gut überlegen, und dass auch jeder Einzelne nachdenkt, ob er Geld für einen Theater- oder Konzertbesuch ausgeben will. Das alles umso mehr, wenn wir nicht mehr von Kindesalter an erleben, wie gut es uns tut, Musik, Theater oder bildende Kunst zu genießen und selbst zu schaffen.
Wo sind die Zeiten, als Bauern, die sonntags zwei Stunden zum Gottesdienst gingen, die Kirche danach auswählten, wo „die schönere Musik“ gespielt wurde?
