Immer mehr Opernhäuser, auch kleinere, führen Opernstudios für junge Sängerinnen und Sänger. Dabei stellt sich stets die Frage, ob diese als billige Arbeitskräfte ausgenützt werden oder ob ihnen ein sinnvoller, sanfter Karriereeinstieg geboten wird. Die Ausgestaltung solcher Studios variiert stark: teils stehen Masterclasses und Coachings im Mittelpunkt, teils „Learning by doing“, also Bühnenauftritte in kleinen Rollen – mal gut, mal weniger gut begleitet, oft eine Mischung aus beidem. Auch finanziell gibt es große Unterschiede: Manche Studios sind durch Stiftungen gut unterstützt, andere zahlen so wenig, dass damit kaum ein WG-Zimmer finanzierbar ist (ein Punkt, über den ein Theater nachdenken sollte).
Der Einstieg ins professionelle Sängerleben ist generell eine große Herausforderung: die oft existenzielle Suche nach Engagements, frühe Proben nach späten Vorstellungen, das parallele Einstudieren neuer Partien; Regisseure und Dirigenten, die plötzlich Leistung fordern, ohne Rücksicht auf den Entwicklungsstand der Stimme. Das bringt fast alle jungen Sängerinnen und Sänger an ihre Grenzen.
Unabhängig vom Schwerpunkt eines Opernstudios bieten solche Programme aber praktisch immer erfahrene Ansprechpersonen, die bei Problemen unterstützen. Entscheidend bleibt dabei, wie die Sängerinnen und Sänger die Zeit nutzen: Kontakte knüpfen, erfahrene Kolleginnen und Kollegen beobachten, viel Repertoire kennenlernen – möglichst nicht nur in der Oper, sondern auch in anderen Sparten und Kunstrichtungen –, Wissen erweitern, Stärken und Schwächen in der Praxis erkennen und an ihnen arbeiten. Und dafür ist die Studiozeit ideal.
