In einer Welt, in der das World Wide Web und die KI schon fast alles können und vieles lernen, stellt sich immer häufiger die Frage, wofür Künstleragenturen noch gebraucht werden. Künstler haben ihre eigenen Websites, sind auf allen möglichen Plattformen vertreten, die Suche nach Künstlern läuft immer öfter automatisiert ab. Und wenn dann auch noch die für die Kultur zur Verfügung stehenden Mittel knapper werden, will schon gar niemand mehr Geld für Vermittlungsprovisionen locker machen.
Die praktische Erfahrung zeigt allerdings, dass Menschen doch alles besser können, was subjektive Fragen (und davon gibt es systemimmanent in der Kunst viele) betrifft, wenn sie über Expertise und Erfahrung verfügen. Damit meine ich Fragen wie etwa, welches Opernhaus welche Art von Stimmen bevorzugt, welche Persönlichkeit zu welchem Orchester passt und Ähnliches. Aber auch beim kontinuierlichen Aufbau von Karrieren, in der Beratung der Künstler oder bei der Frage, welche Kontakte wann für welchen Künstler geknüpft werden, sind Menschen in Agenturen von Maschinen kaum zu ersetzen. Wenn es darum geht, Verträge zu verhandeln, bei denen alle Seiten am Ende zufrieden sein können, sind Menschen oft kreativer als es jede KI sein kann. Ein ganz wesentlicher Punkt ist und bleibt die „Störung“: Es gibt Unstimmigkeiten irgendwelcher Art; ein Künstler fällt aus und Ersatz muss gefunden werden; unangenehme Informationen müssen weitergegeben werden: In all diesen Situationen hat nie jemand Zweifel daran, dass die Agentur sofort am Zug ist.
Die Entwicklung der letzten Jahre, dass Künstler an Opernhäusern alleine für die Bezahlung von Vermittlungsprovisionen verantwortlich sind, ist in diesem Sinne zwar wirtschaftlich von Seiten der Opernhäuser verständlich, aber de facto zu kurz gedacht. Eine Agentur, die von beiden Vertragspartnern bezahlt wird, kann sich viel stärker für die Interessen beider Seiten einsetzen und kann wirklich im Interesse beider die bestmögliche Lösung suchen.
