Wenn Opernsänger aufgeben …

Mit seiner Erklärung, sich mit 43 Jahren aus dem Operngeschäft zurückzuziehen, machte dieser Tage ein Bassist auf ein grundlegendes Problem der Branche aufmerksam: Selbst in den besten Jahren seiner Laufbahn könne er von seinem Beruf nicht angemessen leben. Die Vorstellungsgagen sind in den vergangenen dreißig Jahren nominal unverändert geblieben; ihr inflationsbereinigter Wert ist jedoch auf etwa die Hälfte gesunken. Hinzu kommt, dass Opernhäuser immer seltener die inzwischen erheblich gestiegenen Reise- und Aufenthaltskosten ihrer Gäste übernehmen – von ihrem Anteil an den Agenturprovisionen ganz zu schweigen.

Für uns Agenturen ergibt sich daraus eine doppelte Belastung: Auch unsere Provisionseinnahmen sind nominal unverändert geblieben, während sich die Kosten unserer Reisen vervielfacht haben. Diese Reisen sind unverzichtbar, um die künstlerische Arbeit der von uns vertretenen Sängerinnen und Sänger aus eigener Anschauung beurteilen zu können. Zugleich sind die Provisionen für die Künstlerinnen und Künstler schwerer zu tragen, wenn die Veranstalter ihren Anteil nicht mehr übernehmen.

Die Kulturbudgets werden knapper, und Opernhäuser wie Veranstalter kämpfen um ihre Existenz. Dennoch müssen wir gemeinsam darüber nachdenken, wie sich die Strukturen verändern lassen, um substanzielle Einsparungen zu ermöglichen, ohne jene zusätzlich zu belasten, die Abend für Abend vor dem Publikum künstlerische Höchstleistungen erbringen.