Überall wird über neue Inszenierungen, neue Deutungen von Opern, Theaterstücken oder Musik diskutiert: Muss alles aktualisiert werden? Zerstört man dadurch oder bringt man die Werke der Vergangenheit nur so zu einem Publikum des Heute? – Für mich muss die Aussage von Karl-Markus Gauß: „Cancel-Culture ist das Ende jedes historischen Denkens. Humanismus und Fortschritt findet immer mit historischem Bewusstsein statt“ am Anfang jeder Auseinandersetzung mit der Kunst unserer Vergangenheit stehen.
Getätigt hat er sie anlässlich von Entscheidungen wie Voltaires Statue in Paris in einen verschließbaren Innenhof zu stellen, weil er, der Vorkämpfer für Meinungsfreiheit, heute als Rassist verunglimpft oder Kant als „Frauenhasser“ bezeichnet wird, ohne ihren jeweiligen historischen Kontext zu betrachten. Natürlich müssen wir einem Publikum heute Opernlibretti, Theaterstücke und die Musik der letzten Jahrhunderte zugänglich machen, wenn wir sie am Leben erhalten wollen. Wenn wir dabei aber so weit gehen, das historische Bewusstsein zu streichen, dann kann das kein Schritt in eine demokratische, gleichberechtigte und gute Zukunft sein.
